Pressemitteilung —
Gemeinsam für mehr Artenvielfalt auf dem Acker
Karlstadt. Gemeinsam mit einem Biolandwirt und der Bayerischen Kulturlandstiftung wertet die Bayernwerk Netz GmbH einen Acker im Landkreis Main-Spessart ökologisch auf. Ziel ist es, bedrohten Ackerwildkräutern neuen Lebensraum zu bieten und gleichzeitig Ökopunkte für künftige Eingriffe in Natur und Landschaft zu sammeln. Eine Vegetationskartierung dokumentiert, wie sich die Fläche entwickelt.
„Mehr als 20 Blüten in einem Blütenstand, eine Einkerbung der Früchte, ein recht langes Tragblatt und ein vergleichsweise großes Kelchblatt. Das unterscheidet den Gewöhnlichen Erdrauch, Fumaria officinalis, von anderen Erdraucharten“, erklärt Malou Czibeck von der Bayerischen Kulturlandstiftung (BKLS), während sie die Pflanze mit der Lupe betrachtet. Die Botanikerin führt eine sogenannte Vegetationskartierung durch. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen steckt sie nach dem Zufallsprinzip zwei mal 30 Meter große Untersuchungsflächen ab. Innerhalb dieser Bereiche bestimmen und dokumentieren sie alle Pflanzenarten. Die Ergebnisse zeigen, wie sich die Fläche entwickelt und ob die Maßnahmen den gewünschten Erfolg bringen. Die Ökokontofläche besteht aus einem neun Meter breiten Brachestreifen und einem angrenzenden Sandhaferfeld. Ackerwildkräuter sind in dieser Ackerfläche ausdrücklich erwünscht. Dafür verzichtet der Landwirt auf Pflanzenschutzmittel und mineralischen Dünger.
Bayernwerk Netz sammelt Ökopunkte
Mit Projekten wie in Karlstadt engagiert sich die Bayernwerk Netz GmbH bayernweit für die ökologische Aufwertung zahlreicher Flächen, von artenreichen Wiesen über Äcker bis hin zu klimastabilen Wäldern. Ziel ist es, durch eigene Ökokontoflächen in verschiedenen Naturräumen Ökopunkte als Ausgleich für künftige Eingriffe in Natur und Landschaft bei Netzbauprojekten zu sammeln. Diese ökologische Werteinheit dient als Ausgleich wie beim Neubau oder bei der Instandhaltung von Stromleitungen und Umspannwerken. Dabei arbeitet der Netzbetreiber eng mit Landwirten sowie mit der Bayerischen Kulturlandstiftung zusammen. Die Flächen werden 25 Jahre lang betreut und regelmäßig kartiert, um die Entwicklung zu dokumentieren. „Durch die Energiewende notwendige und unvermeidbare Eingriffe in die Natur wollen wir mit naturschutzfachlich hochwertigen Ökokontoflächen kompensieren. Deshalb begleiten wir den gesamten Prozess, von der Planung über die Genehmigung und Umsetzung bis hin zur langfristigen Pflege. So stellen wir sicher, dass die Kompensation dauerhaft wirksam ist“, betont Dr. Jana Ernst, Biologin bei der Bayernwerk Netz.
Neuer Lebensraum für bedrohte Ackerwildkräuter
Rund 280 verschiedene Ackerwildkrautarten gibt es in Bayern. Viele von ihnen sind heute gefährdet. „Ackerwildkräuter sind auf die regelmäßige Bodenstörung durch die Bewirtschaftung angewiesen, da sie Licht zum Keimen benötigen“, erklärt Malou Czibeck. Über Jahrhunderte haben sie sich an den traditionellen Ackerbau angepasst. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft sowie der Nutzungsänderung oder Aufgabe ertragsschwacher Standorte wurden jedoch viele Arten verdrängt. Dabei bilden sie eine wichtige Nahrungsgrundlage für zahlreiche Insekten und Vögel. Bei der Vegetationskartierung wurden 25 Ackerwildkrautarten nachgewiesen, darunter fünf Arten der bayerischen Roten Liste beziehungsweise ihrer Vorwarnstufe: die Acker-Haftdolde, das Rundblättrige Hasenohr, der Einjährige Ziest, der Blaue Gauchheil und die Österreichische Hundskamille. „Für Sommergetreide im ersten Jahr nach der Umstellung auf extensive Bewirtschaftung ist das ein gutes Ergebnis. Im Wintergetreide, das dieses Jahr im Herbst angesät wird, könnten noch weitere Arten vorkommen“, sagt Malou Czibeck. Langfristig solle sich auf der Fläche ein extensiv bewirtschafteter Acker mit einer artenreichen Segetalvegetation entwickeln. So nennen Fachleute die für Ackerflächen typischen Wildpflanzen. Dieser Nutzungstyp ist in der Bayerischen Biotopwertliste als A13 definiert und zählt zu den wichtigsten Rückzugsräumen für stark gefährdete Ackerwildkräuter.
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Kurzprofil Bayernwerk Netz GmbH
Seit mehr als 100 Jahren steht der Name Bayernwerk für eine sichere und zuverlässige Energieversorgung im Freistaat. Die Bayernwerk Netz GmbH nimmt dabei als Netzbetreiber eine Schlüsselrolle ein. Damit jetzt und in Zukunft immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht, braucht es ein modernes, intelligentes Stromnetz. Deshalb setzt das Unternehmen auf Digitalisierung und Innovation, unterstützt zahlreiche wissenschaftliche Projekte und arbeitet systematisch am Ausbau der Energienetze. Die Bayernwerk Netz GmbH versorgt insgesamt rund sieben Millionen Menschen mit Energie. Sie ist in den bayerischen Regionen Unter- und Oberfranken, Oberpfalz sowie Nieder- und Oberbayern aktiv und damit der größte regionale Verteilnetzbetreiber in Bayern: Das Stromnetz umfasst 156.000 Kilometer, sein Gasnetz 6.000 Kilometer und das Straßenbeleuchtungsnetz 34.600 Kilometer. Bilanziell verteilt das Unternehmen in den Energienetzen zu 96 Prozent elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen. Dafür sorgen mehr als 1 Million dezentrale Erzeugungsanlagen, die auf das Netz des Bayernwerks wirken und Ökostrom einspeisen. In Nord- und Ostbayern versorgt das Unternehmen Kunden auch über sein Erdgasnetz. Die Bayernwerk Netz GmbH ist an mehr als 20 Standorten im Land präsent.
Sitz der Bayernwerk Netz GmbH ist Regensburg. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der Bayernwerk AG.