Pressemitteilung —
Artenschutz auf dem Acker: 53 Hektar für den Feldhamster angesät
Bergtheim. Gemeinsam mit neun landwirtschaftlichen Betrieben schafft die Bayernwerk Netz GmbH auf insgesamt 53 Hektar im Landkreis Würzburg neue Lebensräume für den vom Aussterben bedrohten Feldhamster und gefährdete Feldvögel. Auf den Flächen wechseln sich Getreide, Luzerne und artenreiche Blühstreifen ab. Das Besondere: Die Äcker werden weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Geplant und betreut werden die Maßnahmen von der Bayerischen Kulturlandstiftung.
Auf den Feldern rund um Bergtheim herrscht derzeit reger Betrieb. Große Traktoren bereiten die Böden vor und säen Getreide für das kommende Jahr. Doch auf einigen Äckern geht es um mehr als die nächste Ernte: Hier entstehen im Auftrag der Bayernwerk Netz Ausgleichsflächen für den Feldhamster. Die insgesamt 53 Hektar großen Maßnahmenflächen dienen als Ausgleich für den Neubau eines Umspannwerks und den Ersatzneubau von Stromleitungen zwischen Schweinfurt und Würzburg. Für sämtliche Eingriffe in Natur und Landschaft setzt die Bayernwerk Netz entsprechende Kompensationsmaßnahmen um. „Neben dem Feldhamster profitieren auch bodenbrütende Vogelarten wie die Feldlerche, das Rebhuhn oder die Wiesenschafstelze sowie zahlreiche Insektenarten von der Schaffung ökologisch wertvoller Ausgleichsflächen als alternative Lebensräume. Bereits lange vor den eigentlichen Baumaßnahmen suchen wir vor Ort geeignete Flächen, die wir für bedrohte Tierarten aufwerten. Uns ist es ein großes Anliegen, unvermeidbare Eingriffe für die Energiewende bestmöglich in Einklang mit der Natur zu bringen“, betont Dr. Jana Ernst, Biologin bei der Bayernwerk Netz.
Ausgleichsflächen bieten ganzjährig Schutz und Nahrung
Unterfranken beherbergt eines der letzten großen zusammenhängenden Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Feldhamsters in Deutschland. Einst war der kleine Nager ein weitverbreiteter Bewohner heimischer Äcker. Doch die Intensivierung der Landwirtschaft und der Verlust geeigneter Lebensräume setzen ihm zu. Auf den Ausgleichsflächen für den Feldhamster wechseln sich beim sogenannten Drei-Streifen-Modell 15 Meter breite Streifen aus Getreide, Luzerne und Blühmischungen ab. So entsteht ein Mosaik aus Nahrungspflanzen und Versteckmöglichkeiten. Im Frühjahr, wenn die Tiere aus dem Winterschlaf erwachen, bietet ihnen die eiweißreiche Luzerne Nahrung und Schutz vor Fressfeinden. Wird sie gemäht, können die Feldhamster auf benachbarte Blühstreifen ausweichen. Von der bunten Mischung aus rund 40 heimischen Kräutern und Gräsern profitieren auch Insekten, Feldhasen, Rebhühner und zahlreiche andere Wildtiere. Besonders wichtig für den Feldhamster ist das Getreide. Anders als auf herkömmlichen Äckern, wo häufig schon im Juli geerntet wird, bleiben die Bestände auf den Ausgleichsflächen bis in den Oktober stehen. So finden die Tiere während der Jungenaufzucht genug Nahrung und können Körner als Wintervorrat sammeln. Denn auch während des Winterschlafs wacht der Feldhamster gelegentlich auf und braucht einen Snack. „Durch die Förderung dieser extensiven Bewirtschaftungsform können wir Ökonomie und Ökologie miteinander in Einklang bringen“, sagt Betriebsinhaber Sebastian Sauer vom Holzäckerhof in Unterpleichfeld. Dass die Flächen weiterhin landwirtschaftliche Erträge liefern, ist Teil des Konzepts. Während er die Luzerne als Biogassubstrat nutzt, dient sie im Milchhof König in Dipbach bei Bergtheim als Futter für die Milchkühe. Das spät geerntete Getreide kann in Biogasanlagen verwertet werden. Landwirt Björn Wäterling zufolge waren bereits in den letzten Tagen neue Feldhamsterbauten auf der frisch angesäten Fläche zu sehen.
Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung verbinden
„Bei der produktionsintegrierten Kompensation, kurz PIK, können die Flächen weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Die Art und Weise der Nutzung richtet sich nach den Anforderungen des jeweiligen Betriebs“, erklärt Projektleiterin Malou Czibeck von der Bayerischen Kulturlandstiftung (BKLS), einer Stiftung des Bayerischen Bauernverbands. Die BKLS plant und betreut bayernweit Kompensationsmaßnahmen im Auftrag der Bayernwerk Netz. Dabei kommt es auf zahlreiche Details an. So stellen Mitarbeiterinnen der BKLS beispielsweise die Saatgutmischungen für die Blühstreifen zusammen. Beim Getreide sorgt ein Reihenabstand von mindestens 30 Zentimetern für lichte Bestände, die dem Rebhuhn, der Feldlerche und der Wiesenschafstelze zugutekommen. Auf einigen Flächen wird zusätzlich die Wiesenweihe gefördert, eine seltene Greifvogelart, die ebenfalls am Boden brütet. Entscheidend ist dabei die enge Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben und Fachbehörden. „Feldhamsterinseln im Artenhilfsprogramm in den Landkreisen Würzburg, Schweinfurt und Kitzingen, die ähnlich zu den Kompensationsflächen der Bayernwerk Netz gestalteten sind, belegen seit Jahren, wie sich Landwirtschaft und Artenschutz miteinander verbinden lassen“, so BKLS-Projektleiterin Malou Czibeck.
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Kurzprofil Bayernwerk Netz GmbH
Seit mehr als 100 Jahren ist der Name Bayernwerk mit der Energieversorgung in Bayern verbunden. Die Bayernwerk Netz GmbH betreibt umfangreiche Energieinfrastruktur in Unter- und Oberfranken, in der Oberpfalz sowie in Nieder- und Oberbayern. Über diese Netzinfrastruktur werden rund sieben Millionen Menschen mit Energie versorgt.
Das Stromnetz der Bayernwerk Netz GmbH umfasst rund 156.000 Kilometer, das Straßenbeleuchtungsnetz rund 34.600 Kilometer. Das Unternehmen entwickelt seine Netzinfrastruktur kontinuierlich weiter und setzt dabei unter anderem digitale Technologien ein.
In Nord- und Ostbayern betreibt die Bayernwerk Netz GmbH zudem ein Erdgasnetz mit einer Länge von rund 6.000 Kilometern. Das Unternehmen ist an mehr als 20 Standorten in Bayern präsent. Sitz der Bayernwerk Netz GmbH ist Regensburg. Sie ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Bayernwerk AG.